Herzkatheteruntersuchung: Ablauf, Vorbereitung, Nachsorge
Was eine Herzkatheteruntersuchung ist
Bei einer Herzkatheteruntersuchung wird ein dünner, biegsamer Kunststoffschlauch – der Katheter – über eine Arterie am Handgelenk oder in der Leiste bis zum Herzen vorgeschoben. Über ihn gelangt Kontrastmittel in die Herzkranzgefäße, die dadurch im Röntgenbild sichtbar werden. Diese Darstellung heißt fachlich Koronarangiografie.
Der Zweck in einem Satz: Sie zeigt, ob die Gefäße, die den Herzmuskel selbst mit Blut versorgen, verengt oder verschlossen sind – und wenn ja, wo und wie stark.
Eine Besonderheit unterscheidet sie von anderen Untersuchungen: Sie ist zugleich ein Behandlungsweg. Eine gefundene Engstelle kann in derselben Sitzung aufgedehnt und mit einer Gefäßstütze (Stent) versorgt werden. Diagnose und Therapie fallen dann zusammen.
🔴 Zuerst: worauf Sie nicht warten
Eine geplante Untersuchung ist das eine, ein Notfall das andere. Wählen Sie sofort die 112, wenn auftritt:
- Brustschmerz oder Druck im Brustkorb, der länger als ein paar Minuten anhält – auch mit Ausstrahlung in Arm, Rücken, Hals, Kiefer oder Oberbauch
- plötzliche Atemnot
- Bewusstlosigkeit oder Beinahe-Ohnmacht
- kalter Schweiß, Übelkeit und Angstgefühl zusammen mit Brustbeschwerden
- plötzliche Schwäche, Lähmung, Sprach- oder Sehstörung
Fahren Sie nicht selbst und lassen Sie sich nicht privat fahren. Der Rettungsdienst beginnt die Behandlung unterwegs und bringt Sie in ein Haus, das den Eingriff rund um die Uhr durchführen kann. Warten Sie nicht auf einen Termin und nicht auf den nächsten Morgen.
Außerhalb der Sprechzeiten und ohne Notfallverdacht hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116 117 weiter.
Warum die Untersuchung angeordnet wird
Typische Anlässe sind:
- Beschwerdebild einer Durchblutungsstörung des Herzens: Druck, Enge oder Schmerz in der Brust, der bei Belastung auftritt und in Ruhe nachlässt
- ein auffälliger Vorbefund – etwa aus Belastungs-EKG, Stress-Echokardiografie, Herz-MRT oder einer CT-Darstellung der Herzkranzgefäße
- ein akutes Koronarsyndrom oder Herzinfarkt: dann als Notfalleingriff, so schnell wie möglich
- unklare Herzschwäche, bestimmte Klappenerkrankungen oder die Abklärung vor einer Herzoperation
Umgekehrt gilt: Nicht jeder Brustschmerz führt ins Katheterlabor. Bei geplanter Abklärung stehen meist zuerst Untersuchungen ohne Eingriff an. Der Katheter kommt, wenn deren Ergebnis eine Behandlungsentscheidung nicht trägt oder wenn ohnehin behandelt werden muss.
Vor dem Termin
Das Aufklärungsgespräch findet bei planbaren Eingriffen so rechtzeitig statt, dass Sie die Entscheidung in Ruhe überdenken können. Schreiben Sie Ihre Fragen vorher auf – im Gespräch fallen sie erfahrungsgemäß nicht ein.
Vorbereitende Untersuchungen sind üblich: Blutbild, Nierenwerte, Gerinnung, oft Schilddrüsenwerte, dazu ein EKG.
Medikamente. Bringen Sie Ihren aktuellen Medikationsplan mit, vollständig – auch frei verkäufliche und pflanzliche Mittel. Manche Medikamente werden rund um die Untersuchung pausiert, andere gerade nicht. ⚠️ Ändern Sie nichts eigenmächtig. Das gilt besonders für gerinnungshemmende Mittel: Ob, wann und wie lange pausiert wird, entscheidet ausschließlich die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt.
Nüchtern kommen. Wie lange, sagt Ihnen die Einrichtung. Wasser in kleinen Mengen ist oft erlaubt, Tabletten meist mit einem Schluck – fragen Sie konkret nach.
Unbedingt vorher ansprechen:
- bekannte Allergien, besonders eine frühere Reaktion auf Kontrastmittel
- Schilddrüsenerkrankungen und Nierenerkrankungen
- eine mögliche Schwangerschaft
- alles, was in Ihrem Körper an Implantaten steckt
Organisieren Sie den Heimweg und, wenn möglich, die erste Nacht nicht allein.
Der Zugang: Handgelenk oder Leiste
Zwei Wege führen zum Herzen.
Über die Speichenarterie am Handgelenk (radial). In vielen Zentren der bevorzugte Weg. Die Einstichstelle liegt oberflächlich und lässt sich gut abdrücken, Nachblutungen sind seltener, und Sie können in der Regel bald nach dem Eingriff wieder aufstehen. Vorher wird geprüft, ob die Hand auch über die zweite Unterarmarterie ausreichend durchblutet wird.
Über die Leistenarterie (femoral). Nach wie vor wichtig – etwa bei ungünstigen Gefäßverhältnissen am Arm, bei bestimmten Eingriffen und wenn größere Instrumente nötig sind. Danach ist mehrstündige Bettruhe mit möglichst flach ausgestrecktem Bein üblich.
Beide Zugänge werden örtlich betäubt. Was Sie spüren, ist der kurze Druck der Betäubungsspritze.
Im Katheterlabor: der Ablauf
- Vorbereitung. Sie legen sich auf einen schmalen Untersuchungstisch. EKG-Elektroden, Blutdruckmanschette und ein Zugang für die Vene gehören dazu. Der Bereich um die Einstichstelle wird desinfiziert und steril abgedeckt.
- Betäubung und Punktion. Die Haut wird betäubt, dann wird das Gefäß punktiert und eine kurze Schleuse eingelegt – die Tür, durch die alle Instrumente laufen.
- Vorschieben des Katheters. Der Katheter wird unter Röntgenkontrolle bis zum Ursprung der Herzkranzgefäße geführt. In den Gefäßen selbst ist das nicht zu spüren.
- Kontrastmittel und Aufnahmen. Die Röntgenanlage bewegt sich um Sie herum und nimmt aus mehreren Blickwinkeln auf. Sie werden zwischendurch gebeten, kurz die Luft anzuhalten oder zu husten.
- Entscheidung. Zeigt sich eine Engstelle, wird noch am Tisch besprochen, ob sofort behandelt wird.
Sie sind während der gesamten Zeit wach. Ein leichtes Beruhigungsmittel ist möglich, aber nicht die Regel. Sagen Sie sofort Bescheid bei Brustschmerz, Atemnot, Übelkeit, Juckreiz oder Herzrasen – das Team ist genau dafür da.
Wenn gleich behandelt wird
Die Aufdehnung einer Engstelle mit anschließender Gefäßstütze heißt perkutane Koronarintervention, kurz PCI. Ein feiner Draht wird durch die Engstelle geführt, ein Ballon dehnt sie auf, ein Stent hält das Gefäß offen.
Ist unklar, ob eine sichtbare Engstelle die Durchblutung tatsächlich behindert, kann der Druck im Gefäß gemessen werden. Nicht jede Verengung, die man sieht, muss behandelt werden.
⚠️ Nach einer Stentimplantation gehört eine gerinnungshemmende Behandlung fest dazu. Sie verhindert, dass sich an der Gefäßstütze ein Gerinnsel bildet. Wie lange sie läuft, legt die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt fest. Setzen Sie diese Medikamente niemals eigenmächtig ab oder pausieren Sie sie, auch nicht vor einer Zahnbehandlung, einer Operation oder einer Reise – fragen Sie vorher in der Praxis nach. Ein eigenmächtiger Stopp kann lebensgefährlich sein.
Sie erhalten einen Implantat- oder Stentpass. Tragen Sie ihn zusammen mit Ihrer Medikamentenliste immer bei sich.
Ambulant oder stationär
Ambulant kommt in Betracht, wenn es sich um eine geplante, rein diagnostische Untersuchung handelt, keine wesentlichen Begleiterkrankungen vorliegen, eine mehrstündige Nachbeobachtung stattfindet und zu Hause jemand erreichbar ist. Die Heimfahrt erfolgt in Begleitung.
Stationär bleibt es typischerweise, wenn Sie als Notfall kommen, wenn ein Stent eingesetzt wurde oder eingesetzt werden soll, bei relevanten Begleiterkrankungen – etwa eingeschränkter Nierenfunktion, Gerinnungsstörungen, schwer einstellbarem Diabetes –, bei erwartet aufwendigen Gefäßverhältnissen oder wenn zu Hause niemand nach Ihnen sehen kann.
Die Einschätzung fällt im Vorgespräch, sie ist aber keine Garantie. Ergibt der Befund am Tisch Behandlungsbedarf, wird aus dem ambulanten Termin ein stationärer Aufenthalt. Packen Sie vorsichtshalber das Nötigste ein.
Die Stunden danach
Die Einstichstelle wird abgedrückt und mit einem Kompressionsverband oder Druckarmband versorgt.
- Handgelenk: Der Verband wird schrittweise gelockert. Halten Sie die Hand ruhig, heben Sie nichts damit, nehmen Sie Ringe vorher ab.
- Leiste: mehrere Stunden Bettruhe, Bein gestreckt, nicht aufsetzen, bevor es erlaubt ist. Zum Husten oder Niesen die Stelle mit der Hand gegenhalten.
Trinken Sie, sofern Ihnen nichts anderes gesagt wurde, ausreichend – das Kontrastmittel wird über die Nieren ausgeschieden. Bei Herzschwäche oder Nierenerkrankung gilt die ärztliche Vorgabe, nicht die allgemeine Regel.
Puls, Blutdruck und die Einstichstelle werden regelmäßig kontrolliert. Melden Sie jedes neue Gefühl von Nässe, Schwellung oder Schmerz an der Stelle sofort.
Die ersten Tage zu Hause
- Ein Bluterguss an der Einstichstelle ist häufig und verfärbt sich über Tage. Er verschwindet von selbst.
- Kein Vollbad, keine Sauna, kein Schwimmbad für die vereinbarte Zeit. Ob und ab wann geduscht werden darf, sagt Ihnen die Einrichtung.
- Nicht schwer heben, keine intensive körperliche Belastung, bis es freigegeben ist – bei Leistenzugang länger als am Arm.
- Arztbrief, Medikationsplan und Stentpass aufbewahren und zum nächsten Termin mitbringen.
- Den Kontrolltermin wahrnehmen, auch wenn es Ihnen gut geht.
Sofort ärztliche Hilfe suchen – bei starken Beschwerden über die 112 – wenn auftritt: eine rasch wachsende oder pulsierende Schwellung an der Einstichstelle, eine Blutung, die sich nicht durch Druck stoppen lässt, starke Schmerzen, eine kalte, blasse oder taube Hand beziehungsweise ein solches Bein, Fieber, erneuter Brustschmerz oder Atemnot.
Risiken – nüchtern eingeordnet
Die Herzkatheteruntersuchung ist ein vielfach eingespieltes Verfahren, aber sie bleibt ein Eingriff in ein Blutgefäß.
- Häufig und harmlos: Bluterguss an der Einstichstelle, kurzes Wärmegefühl durch das Kontrastmittel.
- Seltener: stärkere Nachblutung, Verletzung oder Verschluss des punktierten Gefäßes, allergische Reaktion auf das Kontrastmittel, vorübergehende Verschlechterung der Nierenfunktion, Herzrhythmusstörungen.
- Selten, aber ernst: Herzinfarkt, Schlaganfall, Verletzung eines Herzkranzgefäßes, lebensbedrohliche Komplikationen.
Hinzu kommt eine Strahlenbelastung, weil unter Röntgenkontrolle gearbeitet wird. Für jede Untersuchung mit ionisierender Strahlung muss der erwartete Nutzen das Risiko überwiegen; diese Abwägung trifft eine fachkundige Ärztin oder ein fachkundiger Arzt.
Zahlen zur Häufigkeit schwanken erheblich mit Alter, Vorerkrankungen und Anlass des Eingriffs. Ein Notfalleingriff bei laufendem Herzinfarkt ist etwas anderes als eine geplante Diagnostik bei einem ansonsten gesunden Menschen. Lassen Sie sich Ihr persönliches Risiko deshalb im Aufklärungsgespräch benennen – dafür ist es da.
Was Sie mitbringen
- Überweisung, Gesundheitskarte, Personalausweis
- Medikationsplan, vollständig
- Allergiepass, Implantat- oder Stentpass, Herzschrittmacher-Ausweis
- Vorbefunde: EKGs, Arztbriefe, frühere Katheterbefunde, Bilder auf CD
- Blutdruckwerte aus häuslicher Messung
- Ihre aufgeschriebenen Fragen
- bequeme Kleidung, das Nötigste für einen möglichen Übernachtungsaufenthalt
Dieser Beitrag erklärt ein Untersuchungsverfahren allgemein. Er ersetzt keine ärztliche Beratung; ob eine Herzkatheteruntersuchung in Ihrem Fall sinnvoll ist und wie sie durchgeführt wird, entscheidet die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt.
- Tut eine Herzkatheteruntersuchung weh?
- Die Einstichstelle am Handgelenk oder in der Leiste wird örtlich betäubt; spürbar ist meist nur ein kurzer Druck. Der Katheter selbst ist in den Gefäßen und im Herzen nicht zu fühlen. Wenn Kontrastmittel gegeben wird, empfinden viele Menschen eine kurze Wärmewelle im Körper – das ist normal und geht von selbst vorbei. Sie sind während der Untersuchung wach und ansprechbar.
- Wie lange dauert eine Herzkatheteruntersuchung?
- Die reine Darstellung der Herzkranzgefäße dauert häufig nur rund 15 bis 30 Minuten. Wird in derselben Sitzung eine Engstelle aufgedehnt und ein Stent eingesetzt, verlängert sich der Eingriff entsprechend. Deutlich länger ist der Gesamttag: Vorbereitung, Wartezeit und vor allem die Nachbeobachtung nehmen mehrere Stunden in Anspruch.
- Kann eine Herzkatheteruntersuchung ambulant gemacht werden?
- Bei geplanten, rein diagnostischen Untersuchungen ohne wesentliche Begleiterkrankungen ist das häufig möglich, mit mehrstündiger Überwachung im Anschluss. Stationär bleibt es in der Regel bei Notfällen, bei einer eingesetzten Gefäßstütze und bei relevanten Begleiterkrankungen. Ob es in Ihrem Fall ambulant geht, klärt das Vorgespräch – und die Einschätzung kann sich während des Eingriffs noch ändern.
- Darf ich nach einer Herzkatheteruntersuchung Auto fahren?
- Am Tag des Eingriffs nicht. Organisieren Sie die Heimfahrt vorher mit einer Begleitperson, öffentlich oder per Taxi – das gilt auch dann, wenn Sie sich gut fühlen. Haben Sie ein Beruhigungsmittel erhalten, sind Sie ohnehin für den Rest des Tages nicht fahrtüchtig. Ab wann Sie wieder fahren dürfen, sagt Ihnen die behandelnde Einrichtung.
- Zugang über Handgelenk oder Leiste – was ist besser?
- Der Zugang über die Speichenarterie am Handgelenk hat sich in vielen Zentren durchgesetzt, weil die Einstichstelle leichter abzudrücken ist, seltener nachblutet und Sie schneller wieder aufstehen können. Der Leistenzugang bleibt wichtig, etwa bei ungünstigen Gefäßverhältnissen am Arm oder wenn größere Instrumente gebraucht werden. Die Wahl trifft das Team nach Ihren Gefäßen und dem Ziel des Eingriffs, nicht nach Bequemlichkeit.
- Wie gefährlich ist eine Herzkatheteruntersuchung?
- Sie ist ein eingespieltes Routineverfahren, aber ein Eingriff in ein Blutgefäß und damit nicht risikofrei. Harmlos und häufig ist ein Bluterguss an der Einstichstelle. Seltener sind stärkere Nachblutungen, Gefäßverletzungen, Reaktionen auf das Kontrastmittel, eine vorübergehende Verschlechterung der Nierenfunktion oder Rhythmusstörungen; schwere Komplikationen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall sind selten. Wie hoch Ihr persönliches Risiko ist, hängt von Ihrer Ausgangslage ab und gehört ins Aufklärungsgespräch.