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EKG, Belastungs-EKG, Langzeit-EKG: Was zeigt was?

Was ein EKG überhaupt misst

Jeder Herzschlag beginnt mit einem elektrischen Impuls, der sich durch den Herzmuskel ausbreitet. Das EKG zeichnet diese Ströme über Elektroden auf der Haut auf.

Daraus lassen sich ablesen: Rhythmus, Frequenz, Störungen der Erregungsleitung und Hinweise auf Durchblutungsstörungen oder eine Verdickung des Herzmuskels.

Was ein EKG nicht zeigt: wie kräftig das Herz pumpt und wie die Klappen aussehen. Dafür ist der Ultraschall zuständig.

Die Varianten im Überblick

Untersuchung Beantwortet Dauer
Ruhe-EKG Rhythmus und Erregungsleitung im Moment 5–10 Min.
Belastungs-EKG Veränderungen unter Anstrengung, Blutdruckverhalten 15–30 Min.
Langzeit-EKG seltene Rhythmusstörungen im Alltag 24 Std. und mehr
Echokardiografie Pumpfunktion, Klappen, Kammergrößen 20–30 Min.
Langzeit-Blutdruck Blutdruckverlauf über Tag und Nacht 24 Std.

Ruhe-EKG

Die Standarduntersuchung. Sie liegen entspannt, Elektroden werden an Brustkorb, Armen und Beinen befestigt, die Aufzeichnung dauert Sekunden.

Die wichtigste Einschränkung: Es ist eine Momentaufnahme. Eine Rhythmusstörung, die zweimal pro Woche auftritt, wird hier mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht erwischt. Und ein Herzinfarkt kann sich – gerade früh – im EKG noch nicht abbilden.

Deshalb gilt: Ein unauffälliges Ruhe-EKG ist beruhigend, aber kein Ausschluss.

Belastungs-EKG

Aufgezeichnet wird während körperlicher Anstrengung, meist auf dem Fahrradergometer, mit stufenweise steigendem Widerstand. Blutdruck wird mitgemessen.

Wonach gesucht wird: Veränderungen, die erst auftreten, wenn das Herz mehr Sauerstoff braucht – ein Hinweis auf verengte Herzkranzgefäße. Außerdem: Wie verhalten sich Puls und Blutdruck unter Last? Treten Rhythmusstörungen erst bei Anstrengung auf?

Es soll anstrengend werden. Wer zu früh aufhört, liefert ein Ergebnis ohne Aussagekraft. Gleichzeitig gilt: Melden Sie sofort, wenn Brustschmerz, Atemnot, Schwindel oder Übelkeit auftreten. Sie werden durchgehend überwacht, und abgebrochen wird sofort.

Mitbringen: bequeme Kleidung, feste Schuhe. Fragen Sie vorher, ob Sie Herzmedikamente an dem Tag wie gewohnt nehmen sollen – manche beeinflussen das Ergebnis.

Langzeit-EKG

Hier geht es um Ereignisse, die selten und unvorhersehbar sind: Herzstolpern, Aussetzer, kurze Schwindelattacken.

Sie tragen ein kleines Gerät, meist 24 Stunden, bei Bedarf länger. Entscheidend ist Ihr Beitrag: das Protokoll. Notieren Sie Uhrzeit und Tätigkeit – aufstehen, Treppe, Kaffee, Aufregung, Schlaf – und vor allem, wann Beschwerden auftraten. Erst dadurch lässt sich ein aufgezeichneter Rhythmus einer Empfindung zuordnen.

Leben Sie so normal wie möglich. Wer sich schont, provoziert genau das nicht, was gefunden werden soll. Duschen geht meist nicht.

Treten Beschwerden nur alle paar Wochen auf, gibt es Geräte für längere Zeiträume – sprechen Sie das an, statt ein unauffälliges 24-Stunden-EKG als Entwarnung zu nehmen.

Echokardiografie

Ultraschall des Herzens, ohne Strahlung, beliebig wiederholbar. Sie liegen auf der linken Seite, der Schallkopf wird zwischen den Rippen aufgesetzt.

Zeigt: Größe der Herzkammern, Dicke der Wände, Pumpfunktion, Zustand und Beweglichkeit der Klappen, Flüssigkeit im Herzbeutel.

Damit beantwortet sie Fragen, die kein EKG beantworten kann – etwa bei Luftnot, Wassereinlagerungen oder einem auffälligen Herzgeräusch.

Was Sie zum Termin mitbringen

  • Überweisung und Gesundheitskarte
  • Medikationsplan – Herzmedikamente beeinflussen Befunde
  • frühere EKGs und Arztbriefe; der Vergleich mit alten Kurven ist oft aussagekräftiger als die neue Kurve allein
  • Blutdruckwerte aus häuslicher Messung
  • eine Notiz: Welche Beschwerden, wann, wie lange, wobei

🔴 Wann Sie nicht auf einen Termin warten

Wählen Sie sofort die 112 bei:

  • Brustschmerz oder Druckgefühl, das länger als ein paar Minuten anhält – auch mit Ausstrahlung in Arm, Rücken, Hals oder Oberbauch
  • plötzlicher Atemnot
  • Bewusstlosigkeit oder Beinahe-Ohnmacht
  • kaltem Schweiß, Übelkeit und Angstgefühl zusammen mit Brustbeschwerden

⚠️ Beschwerden bei einem Herzinfarkt können untypisch sein – besonders bei Frauen, älteren Menschen und Menschen mit Diabetes. Übelkeit, Oberbauchschmerz, Atemnot oder ausgeprägte Schwäche ohne Brustschmerz kommen vor.

Im Zweifel gilt hier mehr als anderswo: lieber einmal zu früh anrufen.


Dieser Beitrag erklärt Untersuchungsverfahren allgemein. Er ersetzt keine ärztliche Beratung; welche Untersuchung Sie brauchen, entscheidet die behandelnde Praxis.

HÄUFIGE FRAGEN
Schließt ein unauffälliges EKG einen Herzinfarkt aus?
Nein. Ein Ruhe-EKG ist eine Momentaufnahme von wenigen Sekunden. Es kann bei einem Infarkt unauffällig sein, besonders früh im Verlauf. Deshalb gehören bei Verdacht immer Beschwerdebild, wiederholte EKGs und Laborwerte zusammen. Bei anhaltendem Brustschmerz wählen Sie die 112 – unabhängig von einem früheren EKG-Befund.
Wie läuft ein Langzeit-EKG ab?
Sie bekommen Elektroden auf den Brustkorb und ein kleines Aufzeichnungsgerät, das Sie 24 Stunden oder länger tragen. Sie leben normal weiter und führen ein kurzes Protokoll: wann Sie was gemacht haben und wann Beschwerden auftraten. Duschen ist meist nicht möglich. Die Auswertung folgt nach Rückgabe des Geräts.
Ist ein Belastungs-EKG anstrengend oder gefährlich?
Es soll anstrengend sein – nur unter Belastung zeigen sich bestimmte Veränderungen. Sie werden dabei durchgehend überwacht, und die Untersuchung wird bei Beschwerden, auffälligen Werten oder auf Ihr Zeichen hin sofort abgebrochen. Sagen Sie es umgehend, wenn Brustschmerz, Atemnot oder Schwindel auftreten.
Was ist der Unterschied zwischen EKG und Echokardiografie?
Das EKG misst elektrische Aktivität – Rhythmus, Erregungsleitung, Hinweise auf Durchblutungsstörungen. Die Echokardiografie ist ein Ultraschall des Herzens und zeigt Struktur und Funktion: Größe der Kammern, Pumpleistung, Herzklappen. Sie ergänzen sich, das eine ersetzt das andere nicht.